Leben

Nicht einmal in derselben ostwestfälischen Stadt geboren zu werden, war den Wortmann Brüdern vergönnt. Nach einer schweren, von Armut und vielen Krankheiten beherrschten Kindheit wurden sie bald gezwungen, in Bielefeld die Schule zu absolvieren. Schnell verloren sie sich in Pickelbekämpfung und Schulalltag, allmählich verloren sie auch ihre Vornamen.

Erst das eher freudlos dargebotene Banjospiel eines Angestellten der örtlichen Sparkasse auf einem blassen Stadtteilfest Mitte der 70er Jahre bei bedecktem Himmel brachte so etwas wie Licht in das Leben der Brüder. Fortan wollten sie es zu ihrer Mission machen, die Welt durch Bluegrassmusik zu retten. Aus ihrer Skiffelgruppe StreamLineTrain versuchten sie, die ambitionierte Band New Grass Edition zu formen, die allerdings nach einem einzigen, gleichwohl legendären Auftritt im Bunker Ulmenwall dank Einsicht aller Mitspieler in ihre Unfähigkeit begraben werden konnte.

Es folgte eine in die Geschichte der Brüder als dunkle Jahre eingegangene Epoche im ebenfalls recht schwarzen Münster, mit Mitgliedschaften in Punkrockbands wie den Fidelen Schwagern, dem Schwarzen Abt und schließlich Legion Fondor (der eine), bzw. Me & The Rest und den Katzenjammer Kids (der andere), auf die (auch Kinder können schließlich diesen Text einsehen) nicht näher eingegangen werden soll. Mit Gründung und Auflösung der zweiten, schon im Rheinland beheimateten Bluegrassband GrassForce zu Beginn dieses Jahrtausends fand die musikalische Irrfahrt schließlich ein vorläufiges, trauriges Ende.

In dieser Zeit versuchten die Wortmann Brothers ihr Leben mit Bankeinbrüchen einen neuen Sinn zu geben. Ein Schuss, der nach hinten losging. Beide Brüder wurden in einem gemeinen, von den Banken gesteuerten Schauprozess völlig unangemessen zu lebenslanger Haft mit Restverwahrung verurteilt. Der Mitschnitt des berühmten Gefängniskonzertes in der JVA Brackwede muss als verschollen gemeldet werden: Ein weiterer kalkulierter Schlag des Bankenkonsortiums hat dieses Kulturerbstück vernichtet. Doch egal. Nach der jüngsten Bankenkrise wurden die Brüder von der wütenden Bevölkerung aus dem Gefängnis geholt und bekamen nachträglich das Deutsche Blechkreuz der Steuerrettung am Blauen Band verliehen. Das damit verbundene Ehrengeld wurde noch am selben Abend in der Bar Seifenhorst in Düsseldorf umstandslos versoffen, mit der Folge, dass die Wortmann-Brüder beschlossen, erneut eine Band zu gründen, um endlich ihre Mission zu erfüllen.

Das Duo The Wortmann Brothers macht sich nun von Bonn und Düsseldorf aus auf den Weg, die Ohren dieser Nation erobern. Und damit sie hier auch jeder verstehen kann, setzen die Brüder darauf, der deutschen Sprache den Vorzug vor dem amerikanischen Idiom zu geben, ihre Texte aber weiterhin mit Banjogepicke und Mandolinengeschraddel zu unterlegen. Mal sehen ...

Und dann das:

Als sich die Brüder  wieder einmal dem alljährlichen Spargelkönigwettbewerb in Ochtrup stellten, bei dem sie trotz der stolz zur Schau gestellten Orden am Blauen Band traditioneller Weise immer die letzten beiden Plätze belegten, tauchte wie aus dem Nichts ein gewisser Hermann auf und verwies doch dreist die Brüder auf die vorletzten Ränge. Eine Demütigung, die die Brüder nur schwer verdauen konnten und fast zu einer Krise geführt hätte.  Im nachhinein aber durchaus verständlich, waren die Gene doch nicht weit gestreut. Hermann entpuppte sich tief in der Nacht, hier sollten die katalysierenden Schnäpse Ochtrups Erwähnung finden, als Cousin dritten Grades. Halbmütterlicherseits, erwiesener Maßen, oder zumindest hauptsächlich, wenn man den Vater miteinbezog. Das saß. Das mussten die Brüder erst einmal wegstecken. Nun. Und seitdem, und sei es nur, um Wiedergutmachung für die den Brüdern erteilte Schmach abzuleisten, muss Hermann für The Wortman Brothers an der Mandoline die Welt mitbefreien. Er selber war davon auch nicht begeistert. Ein Zeichen, das durchaus Hoffnung weckt. Von Freude soll an dieser Stelle nicht die Rede sein, aber so ist es halt geschehen, und dafür wollen sich die Brüder schon im vorhinein entschuldigen. 

 

 

Hier die ungeschminkten, ehrlichen Wohnzimmermitschnitte der Wortmann Brothers. Wir haben sie lange zurückgehalten, doch sie wollten hinaus in die Welt. Auch sie wollen mitretten, was zu retten ist. Hurra! Und: 

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 Die Musik kommt, wenn man die Bilder anklickt. Immer nur eins anklicken!!! (Sonst einmal die Seite wechseln  und wieder zurück)

Nimm den Hammer         Nimm den Hammer!

Hermann van Büderich       Hermann van Büderich

Wir leben in verschiedenen Welten      Wir leben in verschiedenen Welten.

Kein Sack wird um mich trauern, wenn ich geh'      Kein Sack wird um mich trauern, wenn ich geh'.

Neu in der Großstadt     Neu in der Großstadt

 

       Zwei Biere